Hallo und herzlich willkommen.
Ich bin Vincent und freue mich, heute dieses Interview führen zu dürfen. Ich begrüße ganz herzlich Steffen Heldner und danke dir, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst.
Heute möchten wir einen Einblick in den Bereich Vertrieb innerhalb der Eventbranche bekommen. Dabei sprechen wir unter anderem über die Zusammenarbeit mit Kunden, die Planung und Umsetzung von Veranstaltungen sowie über die Anforderungen, die ein erfolgreicher Vertrieb in der heutigen Eventwelt mit sich bringt.
Ich freue mich auf ein spannendes Gespräch und interessante Einblicke hinter die Kulissen der Branche
Ein kritisches Thema ist die Signalübertragung über lange Strecken, besonders bei 4K@60Hz Signalen. Kunden planen oft Regieplätze weit weg von der Bühne. Wie geht der Vertrieb technisch damit um?
Hier müssen wir bereits im Angebot die Physik berücksichtigen. Klassisches HDMI steigt bei 10 bis 15 Metern aus. Wir planen daher konsequent mit modernen Glasfaser-Systemen (Fiber) oder netzwerkbasierter Signalübertragung.
Technisch bedeutet das für den Vertrieb: Wir verkaufen nicht nur das Display, sondern die gesamte Signalkette inklusive Wandler. Wenn wir 4K-Signale über 100 Meter schicken, nutzen wir High-End-Systeme, um Latenzen komplett zu vermeiden. Der Vertrieb muss hier die technischen Mehrkosten rechtfertigen, damit das Bild am Ende nicht ruckelt oder ganz schwarz bleibt.
Bei Projektionen wird oft die Helligkeit unterschätzt, besonders in hellen Messehallen. Wie berechnen Sie technisch die nötige ANSI-Lumen-Zahl, um Enttäuschungen zu vermeiden?
Wir verlassen uns nicht auf Schätzungen. Wir berechnen das benötigte Kontrastverhältnis basierend auf dem Umgebungslicht. Wenn die Hallenbeleuchtung 500 Lux auf die Leinwand wirft, brauchen wir Projektoren im Bereich von 20.000 bis 30.000 ANSI-Lumen (Laser-Phosphor), um überhaupt ein sichtbares Bild zu erzeugen. Oft ist die technische Empfehlung dann: Weg vom Projektor, hin zur LED-Wand, da diese aktiv leuchtet, während eine Projektion immer nur von Reflexion lebt. Das ist eine rein technische Abwägung von Lichtleistung auf einer Fläche gegen das Umgebungslicht.
Ein großes technisches Risiko ist die Lastverteilung und Statik, besonders bei geflogenen LED-Wänden. Wie sieht hier die interne Abstimmung zwischen Vertrieb und Fachplanung aus?
Das ist der kritischste Punkt. Der Vertrieb darf kein System verkaufen, das die Deckenlast der Location überschreitet. Intern läuft das so: Sobald eine LED-Wand eine gewisse Größe erreicht, fordern wir die statischen Datenblätter der Module (z.B. Gewicht pro m² inkl. Flugrahmen) an. Unsere Planer berechnen die Punktlasten. Gibt die Location das nicht her, muss der Vertrieb technisch umplanen – zum Beispiel auf Groundstack-Varianten (Bodenmontage) ausweichen. Hier ist die interne Kommunikation über Traglasten und Windlasten (bei Outdoor) absolut strikt.
Kompatibilität ist in der Medientechnik alles. Was passiert intern, wenn unterschiedliche Signaltypen und Bildformate (z.B. Ultra-Wide) gemischt werden?
Dafür nutzen wir dediziertes Signalmanagement wie den P20 oder P80 von Pixelhue oder diverse Barco Event Master. Technisch muss der Vertrieb im Hinterkopf haben, dass „ein Bild auf den Screen bringen“ bei Sonderformaten nicht per Plug-and-Play funktioniert. Wir klären intern im Vorfeld das EDID-Management. Wenn der Kunde mit einem Laptop kommt, der ein exotisches Format ausgibt, müssen wir Scaler dazwischenschalten, die das Signal ohne Qualitätsverlust auf das native Raster der LED-Wand umrechnen. Diese technische Vorab-Prüfung verhindert das klassische „Eier-Bild“ (verzerrte Darstellung) vor Ort.Medientechnik konzentrieren können.
Die Wartung der Technik ist ein versteckter Zeitfresser. Wie stellen Sie technisch sicher, dass im DryHire keine defekten Pixel oder unterschiedliche Farbchargen beim Kunden ankommen?
Das ist ein Prozess der Kalibrierung und Chargentrennung. Intern werden LED-Module in „Batches“ sortiert. Man darf niemals Module aus verschiedenen Produktionschargen mischen, da die Farbwerte (Binning) minimal abweichen – das sieht man sofort. Jedes Modul durchläuft nach der Rückkehr einen Testlauf (White-Screen/RGB-Test). Der Vertrieb muss diesen Zeitpuffer für die Qualitätssicherung in die Mietzeiträume einplanen, sonst leidet die technische Qualität beim nächsten Kunden.
In der Hochsaison sind die Zeitfenster zwischen zwei Produktionen oft minimal. Was passiert technisch, wenn ein Rückläufer verspätet eintrifft und das Material eigentlich sofort wieder verladen werden muss?
Das ist die Geburtsstunde der „Quick-Check-Routine“. Um Engpässe abzufangen, haben wir technische Priorisierungslisten. Anstatt das Gerät nur oberflächlich zu reinigen, konzentrieren wir uns auf die kritischen Fehlerquellen: Bei LED-Modulen sind das die Shader und die Pixelkanten, bei Projektoren die Filterlaufzeiten und die Panel-Justierung. Wenn die Zeit für einen kompletten 24-Stunden-Dauertest nicht reicht, nutzen wir automatisierte DiagnoseTools für das Signalmanagement, um zumindest die elektronische Integrität sofort zu bestätigen. Der Vertrieb muss hier ggf. Pufferzeiten („Technik-Check-Days“) als nicht verhandelbar in die Angebote einpreisen, um die Ausfallsicherheit zu garantieren.
Vielen Dank dir für die spannenden Einblicke in den Bereich Vertrieb der Eventbranche. Es war sehr interessant zu hören, wie vielseitig die Arbeit im Vertrieb ist und welche Rolle Kommunikation, Planung und Kundenkontakt dabei spielen.
Ich hoffe, dass wir einen guten Einblick in deinen Arbeitsalltag geben konnten und wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deinen kommenden Projekten und Events. Danke, dass du dir die Zeit für das Gespräch genommen hast.
