Anfang, Gegenwart und Zukunft - das Interview rund um Logando

Interview Alexander Lotozki

 

Markus Wilmsmann: EventElevator meldet sich heute aus Leipzig. Wir sind im Hotel Appartement Central und bei mir ist Alexander Lotozki, der Geschäftsführer von Logando. Was macht euer Unternehmen?

Alexander Lotozki: Wir sind klassischer Dienstleister für Medien- und Veranstaltungstechnik mit Schwerpunkt auf dem Verleih unter anderem von Displays, LED Wänden, Regie-Technik und sämtlichem Zubehör. Mittlerweile sind wir auch im LED-Sektor für großformatige mobile Wände tätig und natürlich Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Medientechnik.

 

Wilmsmann: Logando ist ja mittlerweile ein beachtlich großes Unternehmen. Wie hat es denn angefangen?

Lotozki: Wir sind in einer WG gestartet, ich habe damals in Frankfurt am Main die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik gemacht. Zurück in Leipzig habe ich direkt angefangen, mit einem Mitbewohner erstes Medientechnikequipment zu vermieten. Wobei das am Anfang ein reines Endkundengeschäft war: drei Beamer, eine Leinwand, eine Tonanlage – das war der Start. Vorher haben wir noch schnell eine Webseite gebaut und dann das Handy hingelegt und gewartet, bis jemand anruft. Zwei Wochen lang haben wir gedacht: „Okay, das wird wohl nichts, es ruft keiner an, es interessiert sich doch keiner dafür.“ aber dann hat es doch noch geklingelt. Das war 2008 – zum Start der EM und damit ging es dann los. Ich selbst war hauptsächlich als Techniker und Projektleiter unterwegs. Der Kollege, der bei mir gewohnt hat – ich sage Kollege, weil er mittlerweile bei uns der Leiter der Medientechnik ist – hat in der Zwischenzeit vermietet. Hauptsächlich waren das kleine Beamer zum Anschließen an einen Fernseher – das Signal dort abziehen und auf groß projizieren – bei Fußballspielen und unzähligen Hochzeiten.

Nach einer gewissen Zeit wurden dann die ersten Displays angeschafft. Das waren anfangs gebrauchte aber professionelle Geräte, vier Stück insgesamt. Damit waren wir hier in der Region die Allerersten, die darauf gesetzt haben. Die Displays haben wir so gut vermieten können, dass wir unser Sortiment weiter aufstocken konnten. Daraufhin haben wir das erste Büro angemietet, den ersten Auszubildenden eingestellt und nach und nach habe ich mich ein bisschen zurückgezogen, sodass ich nicht mehr so viel unterwegs war. Es ist dann alles so schnell gewachsen, dass wir bei einigen Kunden vom Zulieferer zum Hauptdienstleister avanciert sind.

Das erste Büro hatte drei Räume, dann ging es in eine Halle mit 150 Quadratmetern, das alles passierte schon auf dem Gelände, auf dem wir jetzt sind. Danach haben wir uns auf 500 Quadratmeter vergrößert und heute sind wir bei knapp 3500 Quadratmeter insgesamt, mit Außenlager und allem drum und dran.

 

Wilmsmann: Was sind die Meilensteine – gibt’s da ein paar Events oder Ereignisse, die euch richtig nach vorne gebracht haben?

Lotozki: Ich glaube der Anfangsmeilenstein war definitiv die Spezialisierung auf das Online Marketing. Die Webseite war seit dem Beginn mit das Wichtigste. Bei den Beamern konnte man nicht viel besser oder schlechter machen. Es wurde wirklich mehr Augenmerk darauf gelegt, dass die Webseite von allen gefunden wird. Das funktionierte sofort und hat die Kunden zu uns geführt. Das haben wir natürlich weiter ausgebaut.

Ein weiterer Meilenstein war die Spezialisierung auf das Display-Geschäft. Mit dem Fokus auf Samsung Produkte haben wir es geschafft, eine starke Partnerschaft aufzubauen. Das hat ebenfalls einen großen Aufschwung gegeben. Dabei haben wir uns auf Displays mit integriertem Media Player spezialisiert, dieses Segment geschafft auszubauen und auch große Stückzahlen an Ware für die Kunden auf Lager. Wenn also jemand 100 gleiche 40 Zoll Displays brauchte, dann hatte Logando die auf Vorrat.

 

Wilmsmann: Sind durch die Fokussierung von Logando auf Online Marketing Messeauftritte für euch relevant?

Lotozki: Ich würde Messen nicht als unrelevant ansehen, aber man muss da abwägen. Der Fokus ist bei uns definitiv auf das Online Marketing gerichtet. Da wissen wir einfach, was für Ergebnisse dahinter stehen. Ich würde das Thema Messe aber auf keinen Fall ausschließen, gerade einen LED-Container muss man den Leuten auch mal präsentieren. Es ist zwar schön, wenn man den auf der Webseite sieht, aber ich fände es ist nicht verkehrt ihn zum Beispiel auf der Prolight + Sound oder bei der ISE auszustellen. Das behalten wir auf jeden Fall weiter im Auge und schließen es trotz Online-Marketing nicht aus.

 

Wilmsmann: Kann man auch Inhalte für die ganzen Leinwände und Projektoren bekommen?

Lotozki: Ja, wir haben eine medientechnische Abteilung, ein Teil ist der Digital Signage-Bereich, der aber auch mit dem Content zusammen hängt. Bei unseren ArtWalls zum Beispiel übernehmen wir die technische Ausführung, erstellen die Inhalte oder passen diese an. Das heißt, wenn jemand Content möchte, dann wird er bei uns auch bereitgestellt. Filme werden kreiert, Inhalte, die schon vorhanden sind, zusammengestellt und dann natürlich auf die Systeme gespielt und dem Kunden fertig übergeben.

 

Wilmsmann: Gibt es denn technologische Entwicklungen die Logando besonders beeinflusst haben?

Lotozki: Definitiv! Dass Displays schlanker und damit den Konsumenten optisch näher gebracht wurden, war ein riesen Sprung. Auch integrierte Media Player bei den Displays waren wirklich eine Innovation. Ansonsten richten wir zur Zeit unser Augenmerk auf die OLED-Technologie. Da haben wir bereits die ersten Displays in der Vermietung. Dann natürlich die Projektoren mit Lasertechnologie, im Bereich Medien Server gibt es ständig Entwicklungen und Fortschritte, da sind mittlerweile so viele Produkte auf dem Markt, dass man schon genau schauen muss, was man alles machen will. Wir wollen nicht 15 Medien-Server-Systeme bereithalten, sondern nehmen zwei bis drei und fokussieren uns auf diese. Dafür haben wir dann auch die entsprechenden Leute, die das perfekt bedienen können.

 

Wilmsmann: Wenn man sich unsere Branche anschaut, dann sind sehr viele Firmen noch im Westen angesiedelt. Wie siehst du dieses Ost-West-Gefälle – ist das ein Gefälle und woran liegt es, dass im Osten noch vergleichsweise wenig los ist?

Lotozki: Ich habe selbst 4 Jahre in Frankfurt gearbeitet und dort auch festgestellt, dass das ein riesen Unterschied ist. Es gibt also definitiv ein Gefälle.

Unsere Firma hat dadurch allerdings in dieser Region ein gewisses Alleinstellungsmerkmal – in der Größe gibt es Medien- und Veranstaltungsdienstleister nicht so oft. Klar, wenn jemand ein 40 Zoll Display mieten will, kommt er nicht von Frankfurt hierher gefahren, aber es geht ja um größere Projekte. Deswegen ist es auch nicht ganz entscheidend, wo man sitzt.

Mittlerweile entwickelt sich aber auch hier so einiges. Dresden, Leipzig – Berlin sowieso immer – das sind Städte, da passiert schon viel. Es wächst, es verändert sich, es finden mehr Veranstaltungen statt, was natürlich für uns ganz gut ist. Es gibt auch hier Veranstaltungen, bei denen 100 Displays gebraucht werden, was vor meinetwegen 5-6 Jahren noch nicht der Fall war. Auch der Messestandort Leipzig hat sich sehr positiv entwickelt. Man merkt, dass dort auch neue Systeme zu Trage kommen, zum Beispiel neue Kongress-Systeme, und dort grundsätzlich etwas passiert.

Dennoch ist auch das lokale Geschäft längst nicht zu vergleichen mit Frankfurt, Köln, oder Hamburg. Zum Glück ist das für uns nicht mehr so entscheidend. Wir haben nur einen kleinen Anteil Aufträge hier vor Ort, die wir betreuen. Mittlerweile findet das Geschäft europaweit, auch weltweit statt.

 

Wilmsmann: Das wär auch meine nächste Frage gewesen. Wie weit ist denn der Radius von Logando mittlerweile. Ist schon weltweit regelmäßig Material im Einsatz?

Lotozki: Europa ist ‚daily business‘ geworden, tagtäglich haben wir Jobs im Ausland, Techniker fliegen ständig von A nach B, das ist auf jeden Fall normal. Der weltweite Einsatz ist noch ausbaufähig, wir haben gerade Jobs in Dubai und Ägypten, aber das ist nicht tagtäglich so. Allerdings europaweit überall: in Spanien, Frankreich, Dänemark, Norwegen et cetera… überall gibt es Veranstaltungen und Leute fahren für uns dorthin.

 

Wilmsmann: Zum Schluss würde ich gerne noch einen kleinen Blick in die Zukunft werfen. Was sind die größten Herausforderungen, mit denen Logando sich in den kommenden Jahren konfrontiert sieht?

Lotozki: Wir haben jetzt jedes Jahr einen Wachstum von 60% bis 80% an den Tag gelegt, da muss man tatsächlich aufpassen. Bei einer Firmengröße von mittlerweile über 40 Mitarbeitern – wir gehen auf die 50 zu – liegt die Herausforderungen definitiv bei der Systematisierung der Firma. Es ist nicht mehr so, wie es am Anfang war, als man viele Entscheidungen in sich selbst getroffen hat. Wenn bei uns jetzt ein neues Produkt reinkommt, ein Fokusprodukt, dann kann das schon fünf Monate dauern – im Vergleich: früher wurde das teilweise an einem Tag entschieden. Da gibt es viele Prüfungen, Techniker aus verschiedenen Abteilungen gucken drüber… – das hat sich auf jeden Fall sehr verändert.

Man muss wirklich jeden Tag am System der Firma arbeiten, um die Qualität, die ich vielleicht früher selbst den Kunden weitergegeben habe, auch auf die Mitarbeiter zu übertragen. Dabei braucht es Top-Mitarbeiter, gerade im technischen Bereich und im Vertrieb, muss das Personal gut ausgebildet sein, das ist eine Herausforderung. Aber auch in der Hinsicht bin ich extrem zufrieden. Ich kann viele Aufgaben abgeben und weiß, dass es in guten Händen ist. Da habe ich richtig Glück. Die Stimmung in der Firma ist absolut schön. Es ist nicht selbstverständlich, dass das von der 5-Mann-Firma bis zur 40-Mann-Firma alles so geblieben ist. Das sollte man immer aufrecht erhalten.

Die Strukturen müssen funktionieren, um auch in den nächsten Jahren weiter zu wachsen und in Europa zu den Top 5, wenn nicht sogar zu den Top 3 Medientechnikfirmen zu gehören. In manchen Bereichen gehören wir schon zu den ganz Großen, andere müssen noch ausgebaut werden, da sind die Ziele hoch gesteckt.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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